Seit zehn Jahren treffen sich im «Café Grüezi» in Buchrain Menschen aus der Gemeinde und der ganzen Welt. Dafür wird das Integrationsangebot der Pfarrei und Kirchgemeinde jetzt mit dem 4. «Dank Dir!»-Preis der katholischen Kirche im Kanton Luzern ausgezeichnet.

«Pionierarbeit» sei in Buchrain geleistet worden, stellt die Jury in ihrem Bericht fest. Das «Café Grüezi» sei entstanden, lange bevor «Asyl» zu einem die Politik bestimmenden Thema wurde. Und in einer «gut situierten Gemeinde mit einem nur mittleren Ausländeranteil», in der es «möglicherweise mehr Mut und Überzeugungsarbeit» brauche, sich für Asylsuchende und Flüchtlinge einzusetzen.

Der 4. «Dank Dir!»-Preis macht am Beispiel Buchrain stellvertretend sichtbar, was in vielen Luzerner Kirchgemeinden und Pfarreien geschieht: Frauen und Männer setzen sich selbstverständlich und im Stillen für Menschen ein, die auf der Flucht in ihrer Gemeinde gestrandet sind. Das «Café Grüezi» will ihnen hier eine Ahnung von Heimat verschaffen. Getragen wird es von der katholischen Kirchgemeinde, beteiligt sind die reformierte Kirche und der «FrauenImpuls» Buchrain.

170515 dank dir preis 01Im Pfarreisaal findet monatlich am Montagnachmittag ein Treffen statt. Bis 15 Personen nehmen daran teil und ein Dutzend Kinder, es sind Asylsuchende, Flüchtlinge, Ausländerinnen und Ausländer, Zugezogene und Hiesige; sie kommen aus dem Irak, Iran, Sri Lanka, aus der Türkei, Eritrea, Vietnam, Angola, Burma, Syrien, dem Kosovo, aus Tunesien – und der Schweiz. Jeder Nachmittag steht unter einem Thema. Mal geht es um die Jahreszeiten, mal, ganz alltäglich, um die Abfallentsorgung oder die Hausaufgaben. Andere Male stellen die Besucherinnen ihre Länder vor oder es wird getanzt. «Arbeit im Kleinen, die Grosses bewirken kann», schreibt die Jury über das Freiwilligen-Team mit Käthy Ruckli, Margrith Grüter, Corinne Moor und Ida Kaufmann-Hellwig. Diese und weitere Engagierte schenken Migrantinnen und Migranten immer wieder einige Stunden ihrer Freizeit. Sie hören zu und helfen durch den oft noch unbekannten Alltag. Durch das «Café Grüezi» kommen die Besucherinnen auch untereinander in Kontakt und können ein Netz von Beziehungen knüpfen.

«Es kommt viel zurück»

Der «Dank dir!»-Preis wird jeweils ohne Vorankündigung vergeben. Für Käthy Ruckli war es deshalb eine «unglaubliche Überraschung», als die Jury am Nachmittag des 15. Mai mit Fahnen, Check und Kuchen in das «Café Grüezi» platzte. Im Pfarreisaal wirbelte gerade das Leben durcheinander; Frauen aus vielen Ländern sassen an den Tischen, spielende Kinder wuselten umher. «Wir haben eine Riesenfreude», sagte Käthy Ruckli, und dankte ihrem Team und der Trägerschaft für die Unterstützung. Von dem Angebot profitierten nicht nur die ausländischen Familien, sondern ebensosehr die Schweizer Frauen, die das «Café Grüezi» durchführten: «Es kommt jeweils viel zurück.»

Freiwilligenarbeit verdient Anerkennung
 Die Landeskirche und der Seelsorgerat (sie schreiben den «Dank Dir!»-Preis aus) zeichnen seit vier Jahren Freiwillige aus, «weil ohne sie in Kirche und Gesellschaft wenig geht», wie Madeleine Strebel bei der Preisübergabe sagte. Sie ist Kirchmeierin von Römerswil, Mitglied des Seelsorgerats und der Jury. «Die einen setzen sich im Verborgenen ein, andere nehmen wir gut wahr», sagte Madeleine Strebel. «Wir sind überzeugt, dass die Freiwilligenarbeit grosse Anerkennung verdient.» Mit dem «Dank Dir!»-Preis solle oft als selbstverständlich wahrgenommenes Engagement öffentlich anerkannt werden.

Ohne Freiwilligenarbeit geht in der Kirche wenig, ist die Jury überzeugt. Unzählige Frauen und Männer jeden Alters setzen sich darin freiwillig für die Gesellschaft ein. Die einen sind gut wahrzunehmen, andere leisten im Stillen einen Beitrag.